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Der Vogel des Jahres 2003

Der Mauersegler (Apus apus L.)

Seit vielen Generationen hat der Mauersegler für eine relativ kurze Zeit im Jahr die Lufthoheit über den Dächern der Städte und Dörfer in nahezu ganz Europa. Als ehemaliger Felsenbrüter bereichert er somit auch in unseren Großstädten die Vogel- welt für diesen Zeitraum und nutzt zur Aufzucht seiner Jungen Höhlungen, Spalten und Nischen in Dachbereichen von Gebäuden, aber auch Baumhöhlen. So hat dieser rußschwarze Vogel, dessen Gefiederfarbe der Berufsbekleidung der Schornsteinfeger sehr ähnelt, auch seine Brutplätze in unmittelbarer Nähe der Betätigungsfelder dieser legendären ,,Glücksbringer“ mit Zylinder, jedoch kann

man heutzutage kaum noch einen Vertreter der schwarzen Zunft bei der Arbeit in schwindelnder Höhe beobachten. Dafür hat man an warmen Sommerabenden noch relativ häufig die Gelegenheit, Mauersegler bei ihren Kunstflügen in diesen Bereichen zu bewundern. Das genaue Zeitgefühl, der gleichmäßige Biorhythmus, der exakte Orientierungssinn sowie alle anderen Lebens- und Verhaltensweisen dieser Art sind von faszinierender Funktionalität geprägt. Mit konstanter Pünktlichkeit treffen die ersten Mauersegler - die keine verwandt- schaftlichen Beziehungen zu unseren Schwalbenarten haben - in den letzten Apriltagen bei uns ein, und mit der gleichen Regelmäßigkeit treten sie Anfang August den Rückflug in ihre Überwinterungs- gebiete, die im tropischen Afrika bzw. in Südafrika liegen wieder an.

Während des Aufenthalts in unseren Breiten widmen sich die Mauersegler ausschließlich der Arterhaltung. Ein spärlich ausgepolstertes Nest in ihren Behausungen reicht ihnen aus, um ab Anfang Juni die 2 bis 3 Eier in ca. 20 Tagen

auszubrüten. Die Nestlingszeit der Jungvögel ist dagegen mit 40 bis 42 Tagen sehr lang, aber in dieser Geborgenheit auch notwendig, denn hier müssen sie so heranwachsen, dass sie zum Zeitpunkt des Ausfliegens auch hundertprozentig flugfähig sind. Ab diesem spannenden Moment spielt sich das Leben für sie fast nur noch in der Luft ab. Die Nahrungsaufnahme - die Nahrung besteht aus Fluginsekten -, die Wasseraufnahme, die Balz

und selbst die Paarung dieser Luftakrobaten vollzieht sich ausnahmslos zwischen Himmel und Erde. Aber auch Schlaf- und Ruhephasen können von diesen Dauerfliegern in größeren Höhen am Himmel abgehalten werden. Verlieren sie dabei zu sehr an Höhe, signalisiert ihnen ihr innerer ,,Höhenmesser“ sofort den Höhenverlust und sie erwachen aus ihrem Dämmerzustand, um den Absturz verhindern zu können. Eine Erdberührung kann für Mauersegler durchaus den Tod zur Folge haben, denn aufgrund ihrer kurzen, verstümmelten Beinchen und ihrer langen, sichelartigen Flügel sind sie nicht in der Lage, aus der Horizontalen

zu starten, um selbstständig wieder in die Lüfte zu gelangen. Haben sie aber ein Luftpolster unter ihren Schwingen, befinden sie sich in ihrem Element in Sicherheit, denn kaum einem natürlichen Feind wird es gelingen, Mauersegler im Flug zu erbeuten, wenn sie mit über 100 km/h am Himmel ihre Flug- kapriolen vollführen. Dafür bekamen diese eleganten Flugkünstler vor allem in den letzten

Verbreitungsgebiet

Jahren ganz andere Probleme, denn durch die notwendig gewordenen Dach- und Fassadensanierungsarbeiten an Gebäuden gingen ihnen zunehmend Brutplätze verloren. In vielen dieser sauber sanierten Städte und Stadtteile führte das zu erheblichen Bestandsrückgängen bei Mauerseglern und anderen Gebäudebrütern. Deshalb sollte bei Sanierungs- und Reparaturmaßnahmen an Gebäuden die Erhaltung von Bruträumen für gebäudebrütende Arten wesentlich mehr berücksichtigt und gefördert werden, damit die Mauersegler über den Dächern unserer Städte und Gemeinden nicht eines Tages so selten werden wie es die Schornsteinfeger auf den Dächern heute schon sind.

 

Letztes Update: Sonntag, 3. September 2017