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Auch wenn er nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht und die Bestände in manchen Regionen stabil geblieben sind, hat die Zahl der Turmfalken in weiten Teilen Deutschlands in den vergangenen 30 Jahren deutlich abgenommen.

Freie Flächen an den Stadt- und Dorfrändern wurden durch Straßen und Neubauten versiegelt, Nistmöglichkeiten an geeigneten Gebäuden bei Sanierungen häufig verschlossen und Kirchtürme oftmals von außen unzugänglich gemacht. Dadurch fehlen oft Nistplätze und das entsprechende Nahr-ungsangebot. Denn auch die offenen Landschaften – sein bevorzugtes Jagdrevier – werden immer eintöniger.

Merkmale: Der Turmfalke ist kleiner und schlanker als eine Krähe.
Die Oberseite ist rotbraun und schwach dunkel gefleckt.
Bei alten Männchensind der Oberkopf, der Hinterrücken und der Schwanz grau.
Das Weibchen und die Jungvögel haben eine vollkommen rotbraune Oberseite, welche stark dunkel gefleckt und quergebändert ist, der Schwanz ist braun mit mehreren dunklen Querbändern und einer breiten schwarzen Schwanzendbinde.
Typisch fĂĽr den Turmfalken sind seine langen spitzen FlĂĽgel.

Lebensraum:Sehr anpassungsfähig in der Wahl des Lebensraumes; brütet in Städten, Stein-brüchen, Hochgebirgen oder Feldgehölzen. Der Turmfalke baut kein eigenes Nest. Die Eier werden in Mauerlöchern, Felsspalten, aber auch in ehemaligen Krähen-, Elsternnester und alten Greifvogelhorsten abgelegt.

Fortpflanzung: Die Eiablage erfolgt im April/Mai und es wird eine Jahresbrut getätigt. 4 – 6 Eier, auf gelblichweißer Grundfarbe stark

braunrot oder braun gefleckt, dass dadurch die Grundfarbe häufig ganz verdeckt ist, bilden das Gelege. Das Weibchen brĂĽtet allein etwa 21 – 27 Tage, während dieser Zeit wird es vom Männchen mit Nahrung versorgt.  

Nahrung: Jagt immer im offenen Land, auch in der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft, ĂĽber Ă–dland, Sportplätzen usw. Im Winter auch häufig entlang von StraĂźen. Typisch ist dabei eines der wichtigsten Kennzeichen des Turmfalken, der RĂĽttelflug. Dabei spät er mit heftigen FlĂĽgelschlägen und breitgefächertem Schwanz in der Luft stehend nach in erster Linie kleinen Bodentieren, vor allem Mäuse, aber auch kleine Insektenfresser Spitzmäuse, Maulwurf mitunter Reptilien, Kleinvögel und Insekten aus, die er im schnellen StoĂźflug geschickt erbeutet. Insbesondere bei StadtbrĂĽtern scheint die Vogeljagd eine größere Rolle zu spielen. Der Nahrungserwerb erfolgt zu rd. 85% als Ansitzjagd und zu 15% mit Flugjagd. Bei der Flugjagd wird etwa 4mal soviel Energie verbraucht wie bei der Jagd aus dem Ansitz.

Interessant ist der Hinweis in der Zeitschrift VĂ–GEL. Dort ist ausgefĂĽhrt: „Turmfalken erkennen selbst aus groĂźer Höhe die Urinspuren von Mäusen. Urin reflektiert UV-Licht und Turmfalken können – anders als wir Menschen – den ultravioletten Anteil  des Sonnenlichts wahrnehmen. WĂĽhlmäuse markieren ihre Wege ständig mit Kot und Urin. Anhand der ultravioletten Leuchtspuren können die Vögel schnell abschätzen, wo es sich fĂĽr sie auszahlt zu rĂĽtteln.“
Die unverdaulichen Nahrungsreste z. B. Haare, Federn, Chitin, die vor allem oft zu groß sind den Darm zu passieren werden als Gewölle ausgeschieden. Man unter- scheidet beim Turmfalken zwei Formen von Gewöllen. Größere Gewölltypen,die Eulengewöllen ähnlich sehen und eine Größe von 4,5 x 2,2 cm aufweisen. In diesen Gewöllen liegen in der Regel Knochenreste fest eingehüllt von Mäusehaaren. Weitaus häufiger werden die üblichen grauen Haarstöpsel gefunden, welche nur ausnahmsweise Knochensplitter oder Zähne enthalten. Diese Gewölle sind wesentlich kleiner und messen durchschnittlich 3,3 x 1,4 cm. Finden kann man die Gewölle unter den Horsten und den Schlafplätzen. Die tägliche Nahrungsmenge eines Turmfalken beträgt ca 25 % seines Körpergewichtes.

Allgemein: Auch wenn in Deutschland noch rd. 50.000 Turmfalken-Paare brĂĽten stehen sie fĂĽr den Greifvogelschutz insgesamt. Sind  doch die  Greifvögel zunehmend durch den Einsatz von Pflanzen- und Insektenschutzmittel in der Landwirtschaft bedroht.
Eine naturverträgliche Landwirtschaft mit breiten Acker- und Wegrändern, die ohne Insektizide und Pestizide auskommt sowie die Erhaltung von Brutnischen bzw. das Anbringen von Nistkästen sind wichtige Schutzmaßnahmen für den Turm- falken. Nistkästen bringt man vornehmlich an Ost– oder Nordseiten von Gebäuden

in ca. 6 bis 8 m Höhe an. Die Kästen richtet man mit einer abnehmbaren Vorderwand oder einem aufklappbaren Deckel ein. Es ist zweckmäßig ein kleines Anflugbrett anzu-bringen. Die Einflugöffnung sollte eine Größe von 16 x 16 cm haben. Die anderen Maße sind aus der neben stehenden Skizze zu entnehmen.
Aber auch innerhalb von Gebäuden kann man so

einen Kasten hinter Gebäudeöff-nungen anbringen. Etwas Torf oder Sägespäne als Einstreu auf den Boden reichen als Nistunterlage vollkommen aus.
Der Turmfalke ist in der Hauptsache ein Stand– bzw. Strichvogel. Nur wenige Exemplare unternehmen größere Wanderungen südwärts, die bis zum Äquator reichen können.

 

Letztes Update: Sonntag, 24. Dezember 2017