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„Kuckuck, Kuckuck ruft’s aus dem Wald!“ Jeder kennt das Lied und hat es als Kind mit fröhlicher Begeisterung wer weiß wie oft gesungen. Jeder kennt auch den Ruf der den Vogel den Namen verschaffte. Aber nicht jeder hat den Rufer schon einmal gesehen, obwohl er eigentlich in keinem Landstrich fehlt.

In den letzten Jahren ist sein Ruf jedoch weniger häufig zu vernehmen, weil sein Lebensraum immer mehr verloren geht.Durch die Anlage von großflächigen Monokulturen, den Bau von Freizeiteinrichtungen und den Straßenbau wird der Lebensraum – eine artenreiche und vielfältige Landschaft – immer mehr eingeschränkt. Aber auch der Einsatz von Pestiziden wirkt sich negativ auf den Bestand aus. Fehlt doch dadurch dem Kuckuck als Insektenfresser die entsprechende Nahrung.

Der rasch dahinfliegende, knapp taubengroße Vogel wird vielmals nicht als Kuckuck erkannt, sondern wegen des langen Schwanzes und schmalen Flügel für einen Sperber oder Turmfalken gehalten. Auf der Ähnlichkeit beruht auch die Mär, dass sich der Kuckuck im Herbst in einen Sperber verwandle.

Beim Männchen des Kuckuck sind Kopf, Kehle und die Halsseiten einfarbig hellgrau; die Oberseite aber ist schiefergrau. Das weiß der Unterseite wird durch graue Querbinden unterbrochen. Die ungleich langen Schwanzfedern haben weiße Spitzen. Die Füße und die Regenbogenhaut sind gelb.

Die Weibchen haben eine rotbraune Oberseite, welche dunkel gebändert ist.

Nur das Männchen ruft seinen Namen. Die Weibchen geben trillernde Töne, die an ein „Kichern“ erinnern ab und sie sind nicht so ruffreudig wie die Männchen.

Der Kuckuck betreibt Brutparasitismus, das heisst: Er legt seine Eier in die Nester anderer Vögel, der Wirtsvögel, damit diese den eigenen Nachwuchs für ihn aufziehen. Die Wirtsvögel sind alle viel kleiner als der Kuckuck. Häufige Wirtsvögel sind: Teich-, Schilf- und Sumpfrohrsänger, Garten-, Dorn- und Sperbergrasmücke aber auch Rotkehlchen, Bachstelze, Schafstelze, Neuntöter, Zaunkönig, Baum- und Wiesenpieper.

Das Weibchen begibt sich auf die Suche nach Kleinvogelnestern. Dabei muss es sorgsam beobachtend zu Werke gehen, denn wenn das Junge gut gedeihen soll, darf das Ei nur in ein noch leeres oder erst frisch belegtes Nest einer Vogelart kommen, die als Pflegeeltern s. o. geeignet sind.

Das Weibchen legt jährlich bis zu 20 Eier.

Oft legt es das Ei nicht unmittelbar ins Nest, sondern in der Nähe auf den Boden und trägt es dann mit dem Schnabel in das Nest. Nicht selten wirft es eines oder mehrere Wirtseier aus dem Nest. Kommt das Kuckucksei doch ein wenig zu spät ins Nest, so bleibt dem Schmarotzer immer noch die Aussicht zu überleben. Erstens entwickelt sich der Keim sehr rasch und braucht mit 12,5 Tagen bis zum schlüpfen weniger Zeit als viele Wirtsarten; zudem wächst das anfangs nackte Kuckucksjunge auch schneller als seine Nestgeschwister und holt deren Vorsprung bald ein. Zweitens aber regt sich im Kuckucksnestling schon am ersten Lebenstag der seltsame Trieb, alles, was er neben sich

im Nest vorfindet, Eier oder Stiefgeschwister, auf den breiten Rücken zwischen die aufgereckten Flügelstummel zu laden und rückwärts krappelnt über den Nestrand zu befördern. Die Wirtseltern kümmern sich nicht darum; für sie stellt der gewaltige Sperrrachen des ewig hungrigen, bald lautstark bettelnden Kuckuck einen übermächtigen Reiz dar, dem oft, besonders zur Zeit des Ausfliegens, auch unbeteiligte Kleinvögel erliegen, die dann neben dem gefräßigen, aufgeplusterten Ungetüm geradezu winzig wirken. Nach knapp drei Wochen ist der junge Kuckuck flügge.

Aus: Heinroth, Die Vögel Mitteleuropas

 

   Weibchen, Jungvogel, Männchen (von links)

 

Letztes Update: Sonntag, 3. September 2017